Welche Behandlungs­möglich­keiten gibt es?

Welche Behandlungsoption die richtige ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Größe, Anzahl und Lokalisation der Myome
  • Schnelles Wachstum der Myome
  • Art, stärke und Häufigkeit der Beschwerden
  • Leidensdruck
  • Wünsche der Patientin nach Zeitpunkt und Art der Therapie
  • Alter der Patientin, Familienplanung

Prinzipiell kann man zwischen medikamentösen, chirurgischen und radiologischen Behandlungsmöglichkeiten unterscheiden. Bei der Wahl der Therapie muss immer entschieden werden, ob die Gebärmutter erhalten werden soll oder nicht. Bevor invasive (also operative oder radiologische) Maßnahmen zum Einsatz kommen, sollte grundsätzlich erst die medikamentöse Therapie in Erwägung gezogen werden. Bei allen gebärmutter-erhaltenden Maßnahmen besteht die Möglichkeit, dass nach einigen Jahren Myome erneut auftreten und wieder Beschwerden verursachen können.

Weitere Informationen zu den Behandlungsmöglichkeiten sowie einen Symptom Check finden sie unter www.myom-wissen.de und www.ganz-normale-tage.de.

Medikamentöse Myom-Therapie

Medikamentöse Therapien haben den Vorteil, dass sie die Gebärmutter und die Fruchtbarkeit erhalten können. sie greifen das Myom gezielt an, kontrollieren die Blutung und vermindern dessen Größe. Dies führt zu einer signifikanten Verbesserung der Lebensqualität. Die Schrumpfung des Myoms kann sich zusätzlich positiv auf eine anschließende Operation auswirken: So können Eingriffe kürzer oder unter besseren Ausgangsbedingungen erfolgen.

Es gibt zwei zugelassene medikamentöse Therapiemöglichkeiten:

  • Die „Myom-Tablette“: Seit 2012 steht mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat 5 mg (UPA) eine medikamentöse Behandlungsmöglichkeit in Tablettenform zur Verfügung. Ulipristalacetat gehört zur Klasse der selektiven Progesteron-Rezeptor-Modulatoren (SPRM) und wirkt, indem es den Rezeptor des körpereigenen Hormons Progesteron vorwiegend hemmt. Ulipristalacetat bewirkt in den allermeisten Fällen eine schnelle Blutungskontrolle bis hin zum Ausbleiben der Monatsblutung, sowie eine Schrumpfung vorhandener Myome. Dies führt zu einer anhaltenden Besserung der Myom-bedingten Beschwerden auch nach der Behandlung. UPA zeigt eine vergleichbare Wirkung bei allen Myom-Arten. Die Myom-Tablette ist zur Einnahme in jeweils 12-wöchigen Behandlungsintervallen zugelassen. Die Therapiezyklen können je nach Bedarf zeitlich unbegrenzt oft wiederholt werden (Langzeit-Intervalltherapie). Zwischen den Behandlungsintervallen sollte eine Therapiepause von mindestens einer Monatsblutung liegen. Es empfiehlt sich, die Therapie mit zwei Behandlungs-intervallen zu beginnen (12 Wochen Einnahme, Pause, 12 Wochen Einnahme), um den Effekt zu optimieren und eine längere Beschwerdefreiheit zu erreichen.
  • Insbesondere ist diese Behandlung dazu geeignet eine eventuell doch notwendige Operation durch die erreichbare gute Blutungskontrolle planbar zu machen.

  •  Die „Wechseljahresspritze“: GnRH-Analoga (wie z. B. Leuprorelin, Goserelin, Buserelin oder Triptorelin) hemmen die übergeordnete Hormonproduktion im Gehirn. Dadurch bilden die Eierstöcke keine Östrogene mehr und es stellen sich wie in den Wechseljahren typische Symptome ein. GnRH-Analoga bewirken effektiv eine Verminderung der Myom-Größe und der Blutungsstärke bis zum völligen Ausbleiben der Monatsblutung. Nach Absetzen der Medikation erreichen die Myome oft wieder ihre Ausgangsgröße. GnRH-Analoga werden als Einmonats-, Dreimonats- oder Sechsmonats-Depot als Spritzen verabreicht.

 

Operative Myom-Therapie

In unserer Frauenklinik sind wir spezialisiert auf die minimalinvasive operative Therapie. Wir verfügen über die 3D-Technologie und verschiedenste instrumentelle Möglichkeiten der Operation von Myomgewebe. Wir legen großen Wert auf einen minimalen Zugang zum Myom, um das umliegende Muskelgewebe zu schonen. Dies spielt eine große Rolle bei noch geplanten Schwangerschaften, um durch so kleine Narben wie möglich die Funktion und die Festigkeit der Gebärmutterwand zu erhalten. 

Operative organerhaltende Myom-Therapie

Bei der Myomentfernung (Myomektomie) wird nur das Myom unter Erhalt der Gebärmutter entfernt. Ein Vorteil ist die weiterbestehende Fruchtbarkeit, falls noch ein Kinderwunsch besteht. Bei einer eintretenden Schwangerschaft nach einer Myomenukleation muss mit den beteiligten Ärzten besprochen werden, ob eine Geburt auf natürlichem Wege oder per Kaiserschnitt erfolgen sollte. In den meisten Fällen spricht allerdings nichts gegen eine vaginale Entbindung. Nach einer Myomenukleation kann es in den darauffolgenden Jahren zu einem erneuten Wachstum von Myomen kommen. In ca. 20 % der Fälle kann diese eine erneute Operation nach sich ziehen. Ob eine Myomenukleation in Frage kommt, hängt von Lage, Größe und Zahl der Myome sowie dem Therapieziel ab.

Eine Myomektomie kann auf folgenden Wegen durchgeführt werden:

  • Bauchspiegelung (Laparoskopie): Liegt das Myom in der Gebärmutterwand oder an der Außenseite, wird es durch einen minimal invasiven Eingriff mittels Schlüsselloch-Technologie entfernt. Durch kleine Schnitte im Nabel und im Unterbauch werden die Operationsinstrumente eingeführt und die Myome auf diesem Weg entfernt. Die entstehenden Wunden werden anschließend vernäht und hinterlassen kaum sichtbare Narben.

  •  Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie): Liegt das Myom in der Gebärmutterhöhle, kann es per Gebärmutterspiegelung entfernt werden. Die Gebärmutter wird mit Flüssigkeit gefüllt und das Myom anschließend mittels einer Elektroschlinge durch die Scheide entfernt. Während dieser Eingriffe kommt es meist nur zu einem geringen Blutverlust sowie einer schnellen Erholung nach dem Eingriff. Entsprechend kurz ist in den meisten Fällen der Klinikaufenthalt.

  • Bauchschnitt (Laparotomie): Die Entfernung der Myome per Bauschnitt ist nur in den wenigsten Fällen und bei sehr großen Myomen notwendig. In fast allen Fällen können wir in unserer Klinik auf einen Bauchschnitt verzichten.

Operative nicht-organerhaltende Methoden

Nach abgeschlossener Familienplanung kann es sinnvoll sein die ganze Gebärmutter oder den Gebärmutterkörper (wo die Myome sitzen) zu entfernen. Bei letzterem Eingriff wird der Gebärmutterhals mit dem Muttermund erhalten und man sollte weiterhin regelmäßig die Vorsorge vor Gebärmutterhalskrebs beim Frauenarzt wahrnehmen.

  • Gebärmutterentfernung (Hysterektomie): Diese Operation kann von der Scheide aus (vaginal), minimalinvasiv über eine Bauchspiegelung (TLH) oder bei sehr extremer Vergrößerung mit einem Bauchschnitt (abdominal) erfolgen. Eine offene Bauchoperation ist jedoch in der heutigen Zeit sehr selten notwendig.

  • Gebärmutterkörperentfernung: Diese Operation wird minimalinvasiv über eine Bauchspiegelung durchgeführt (LASH).

Vorteil der Entfernung der Gebärmutter ist, dass man schnell symptomfrei ist, insbesondere die Blutungsstörungen beseitigt sind und keine Myome mehr auftreten können.

 

Invasive radiologische Methoden zur Myom-Verkleinerung

  • Uterine Arterien-Embolisation: Bei der uterinen Arterien-Embolisation (UAE) werden die Blutgefäße verschlossen, die das Myom versorgen. Dazu werden über einen Katheter in der Leiste Gelatine oder Kunststoffpartikel in die Gebärmutterarterien gespritzt und so ein künstlicher Infarkt (Verschluss) herbeigeführt. Durch die verringerte oder unterbrochene Blutzufuhr schrumpfen die Myome im Verlauf von Wochen bis Monaten. Vorteile der Methode sind die geringe Invasivität sowie der Erhalt des Uterus. Jedoch können erhebliche Schmerzen auftreten und Myome erneut wachsen. Eine mögliche Komplikation der UAE besteht in einer Schädigung der Eierstöcke mit Unfruchtbarkeit und vorzeitigen Wechseljahren. Die Familienplanung sollte zum Zeitpunkt der uterinen Arterien-Embolisation abgeschlossen sein. Unsere Klinik bietet diese Methode in Zusammenarbeit mit der Interventionellen Radiologie des Klinikum Chemnitz an.

  • Fokussierter Ultraschall: Beim fokussierten Ultraschall, auch HIFU oder MRgFUS genannt, liegt die Patientin in einem Kernspintomografen, welcher mit Hilfe von Magnetfeldern dreidimensionale Aufnahmen des Myoms erzeugt. Mit hochenergetischem, gebündeltem Ultraschall werden die Myomzellen punktgenau auf ca. 60 bis 80 Grad Celsius erhitzt und sterben dadurch ab. Anschließend werden sie innerhalb der folgenden Wochen und Monate über das körpereigene Immunsystem abgebaut. Dadurch können die Myome geschrumpft werden, wobei eine vollständige Rückbildung der Myome nicht zu erwarten ist. Die Dauer der Behandlung beträgt etwa zwei bis drei Stunden. Die Therapie wird ambulant nur an wenigen Orten in Deutschland durchgeführt, kann allerdings schmerzhaft sein. Nicht alle Krankenkassen bezahlen diese Behandlung.